Unsere Fernwärme in der Region Entre-deux-Lacs
In der Region Entre-deux-Lacs wurde unser Fernwärmenetz ausgebaut, um den steigenden Bedarf der Gemeinden Cornaux, Cressier und Laténa an nachhaltiger Energie zu decken. Unser Netz wurde 2023 in Betrieb genommen und zunächst in den Gemeinden Cornaux und Cressier eingerichtet. Dieses Grossprojekt wurde zusammen mit den beiden Kantonen und der Raffinerie VARO ins Leben gerufen und ist Teil der Energiestrategie 2050 des Bundes. Es leistet einen aktiven Beitrag zu den Klimazielen des Kantons Neuenburg.
Das Fernwärmenetz der Region Entre-deux-Lacs wird durch Wärmerückgewinnung aus der VARO-Raffinerie betrieben, einer lokalen Ressource, die bisher ungenutzt blieb. Diese Wärme – die sogenannte Restwärme – wird, obwohl sie aus einem CO₂-ausstossenden industriellen Prozess stammt, als klimaneutral angesehen. Durch ihre Wiederverwendung wird nicht nur Energieverschwendung vermieden, sondern es können auch Öl- oder Erdgasheizungen bei Netznutzern ersetzt werden, deren Emissionen vorher zu denen der Raffinerie hinzukamen. Das Fernwärmenetz Entre-deux-Lacs befindet sich mitten im Ausbau, wobei die Infrastruktur bis 2035 schrittweise in Betrieb genommen wird. Sie versorgt bereits Cornaux und Cressier und wird ab 2026 auf Laténa ausgeweitet. Gas wird nur als Zusatz- und Notfallenergiequelle eingesetzt, um eine kontinuierliche Wärmeversorgung zu gewährleisten.
Das Netz ist in erster Linie zur Beheizung von Wohngebäuden bestimmt, versorgt aber auch öffentliche Gebäude. Langfristig wird es möglich sein, bis zu 80 Gigawattstunden pro Jahr zu verteilen, was der tatsächlich genutzten Wärmeenergie der ans Netz angeschlossenen Gebäude entspricht.
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Drei Fragen an den Fernwärmenetz-Verantwortlichen
Maxime Gerardin ist Fernwärmenetz-Verantwortlicher. Er wirkt an der Festlegung der Strategie für das Fernwärmenetz der Region Entre-deux-Lacs mit und sorgt für die reibungslose Koordination aller Projekte, die zur Umsetzung der Strategie beitragen.
Maxime Gerardin, was war die grösste technische Herausforderung bei diesem Projekt?
Das ist der riesige Projektumfang. Das Netz deckt ein weitläufiges Gebiet ab, während die Wärmeenergie aus einem einzigen Ort stammt: der VARO-Raffinerie. Um diese Wärmeenergie effizient über grosse Entfernungen zu transportieren, mussten wir zwei Pumpstationen installieren, eine in Marin und eine in Saint-Blaise. Diese Anlagen spielen eine entscheidende Rolle für den Netzbetrieb: Sie sorgen dafür, dass das Warmwasser auch über mehrere Kilometer hinweg ungehindert durch die Leitungen fliessen kann. Konkret «reaktivieren» sie das Warmwasser in regelmässigen Abständen, um die durch Entfernung und Gelände bedingten Durchflussverluste auszugleichen. Beispielsweise ist die Leitung zwischen der Raffinerie und der Pumpstation in Marin fast 5 km lang und die bis nach Saint-Blaise 8 km. Diese Anordnung erfordert zudem genaue Berechnungen, damit der Wärmeverlust, der bei solchen Entfernungen unvermeidlich ist, begrenzt wird. Hinzu kommt die Notwendigkeit, einen kontinuierlichen Betrieb zu gewährleisten: Die Raffinerie wird alle drei Jahre für Wartungsarbeiten stillgelegt, weshalb wir Notstromaggregate einplanen müssen (wie das bereits in Cornaux und Cressier betriebene).
Und welchen Vorteil hat dieses Projekt für die Umwelt?
Dieses Netz ermöglicht die Nutzung von Abwärme, die andernfalls einfach in die Luft entweichen würde. Durch die Rückgewinnung zur Beheizung von Wohnhäusern und öffentlichen Gebäuden vermeiden wir zusätzliche CO₂-Emissionen, welche beim Gebrauch von Öl- oder Erdgaskesseln entstehen würden. Es handelt sich um eine konkrete Massnahme zur Verringerung des CO₂-Fussabdrucks der Region.
Weist dieses Netz innovative technische oder ökologische Merkmale auf?
Die Wärmerückgewinnung aus industriellen Prozessen gibt es bereits, beispielsweise in Freiburg im Werk SAIDEF. Hier gehen wir jedoch einen Schritt weiter, indem wir eine Energiequelle nutzen, die in diesem Umfang bisher unerschlossen war. Dieses Projekt ist in der Schweiz einzigartig. Es handelt sich um das einzige Fernwärmenetz, das die Abwärme einer Raffinerie nutzt. Diese technische und strategische Innovation zeigt, dass auch industrielle Infrastrukturen zur Energiewende beitragen können.