Die kleine Geschichte der Strassenbeleuchtung

Anhand lokaler und ausländischer historischer Anekdoten erzählen wir Ihnen die kleine Geschichte der Strassenbeleuchtung.

Die Bedeutung von Harz

Die Verwendung von pflanzlichen Harzen und Fetten als Lichtquelle reicht Jahrtausende zurück. Die Pechlampe zählt zu den ältesten Formen der öffentlichen Beleuchtung in der Schweiz. Im Mittelalter wurde sie im Freien, für Prozessionen oder in fensterlosen Gebäuden wie Bergfrieden verwendet. Bei der Verbrennung entstand starker Rauch und intensiver Geruch – ganz im Gegensatz zu den edleren Wachskerzen der wohlhabenden Schichten. In der Grand-Rue in Freiburg ist noch heute ein Überbleibsel einer Pechlampe zu bestaunen.

An die Laternen!

Im Jahre 1414 ordnete Sir Henry Barton, seinerzeit Lord Mayor von London, an, dass nachts Laternen mit Kerzen angezündet werden sollten – vom Michaelistag bis Lichtmess. Alle Bürgerinnen und Bürger waren verpflichtet, an ihren Kreuzstockfenstern eine Laterne aufzuhängen, um die Strasse zu beleuchten. Damit wurde London die erste «Lichtstadt» Europas.

Als Paris zur «Stadt der Lichter» wurde 

Mit der Verordnung von Ludwig XIV. aus dem Jahr 1667 wurde der Grundstein für die Einführung der öffentlichen Beleuchtung in den Pariser Strassen gelegt. Tausende von Laternen wurden aufgestellt und zwischen dem 1. November und dem 1. Marz nachts angezündet. Der Sonnenkönig feierte diesen Meilenstein, indem er einige Jahre später eine Medaille prägen liess (Urbis securitas und nitor, etwa: Sicherheit und Glanz der Stadt).

Bild einer Frau, die eine Laterne in der Hand hält

 

Gas als Energieträger

Die öffentliche Beleuchtung mit Gaslampen steckte in der Schweiz in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts noch in den Kinderschuhen. Gemäss einem am 20. Februar in der Zeitung Le Chroniqueur erschienenen Artikel verpflichtete sich die Stadt Freiburg 1861, eine Vereinbarung über die Einführung der Gasbeleuchtung mit einer Mindestbrenndauer von 230 000 Stunden pro Jahr zu unterzeichnen. So sollten zwischen 160 und 170 Gasflammen zu einem Preis von fünf Rappen pro Stunde gespeist werden, was einer Gesamtausgabe von rund 11 500 CHF entsprach.

Beleuchtung ohne Gasbrenner

Ab 1830 wurden die Öllampen durch Gasbrenner ersetzt. In Paris zierten diese wunderschönen Strassenlaternen die Place Vendôme, die Place du Carrousel, die Rue de Rivoli und die Rue de la Paix. Das Gas wurde mit einer am Ende einer Stange befindlichen Öllampe von einem Laternenanzünder angezündet. Die Brandgefahr war hoch. Nach einigen Katastrophen wurde um das Jahr 1900 ein Verbot der Gasbeleuchtung an öffentlichen Orten verhängt. Damit beschleunigte sich der Siegeszug der fabelhaften Fee namens Elektrizität.

Der Laternenanzünder

«Wenn er seine Laterne anzündet, ist es, als ob er einen neuen Stern erschafft, oder eine Blume.» Der kleine Prinz, Antoine de Saint-Exupery

Der Beruf des Laternenanzünders veränderte sich im Zuge der Weiterentwicklung der öffentlichen Beleuchtung und der historischen Epochen (hier Erster Weltkrieg) ständig und verschwand mit der allgemeinen Elektrifizierung vollständig.

Eine revolutionäre Erfindung
1880 meldet Joseph Swan das Patent für seine Glühlampe an – kurz vor Thomas Edison. 1883 schliessen sich die beiden Konkurrenten zusammen und gründen die Firma Ediswan (Edison & Swan United Electric Light Company).

Solare Autonomie

Anfang der 2010er-Jahre kamen die ersten vollautonomen Strassenleuchten auf. Sie werden mit Solarenergie betrieben und lassen sich problemlos an Orten ohne Stromanschluss aufstellen.

LED – modern, aber störend.

Im Frühling 2015 müssen die Schweizer Städte die nunmehr verbotenen Quecksilberdampf-, Natriumdampf- und Halogenlampen ersetzen. Die Beleuchtung mit Leuchtdioden, den sogenannten LEDs, erscheint vielversprechend: geringerer Verbrauch, höherer Wirkungsgrad und präziserer Lichtstrahl. Inzwischen werden sie überall eingesetzt – so wie hier im Nationalen Schwimmzentrum in Peking. Leider sind die weissen LEDs für viele Tier- und Pflanzenarten und auch für den Menschen ein Störfaktor.

Weniger ist oft mehr
Eine klug installierte öffentliche Beleuchtung sorgt für ein höheres Mass an Sicherheit. Durch die Verringerung der Lichtverschmutzung verbessert sich das Wohlbefinden von Bevölkerung, Fauna und Flora. Zudem sinkt der Energieverbrauch erheblich. Seit August 2020 wird die öffentliche Beleuchtung in Val-de-Ruz nachts abgeschaltet. Durch die Modernisierung ihrer öffentlichen Beleuchtung senkte die Gemeinde ihren Energieverbrauch um 40 % und damit auch ihre Stromkosten. Im Kanton Freiburg müssen die Gemeinden ihre öffentliche Beleuchtung seit Juni 2023 zwischen Mitternacht und 5 Uhr ausschalten.

Wo die Sterne am hellsten leuchten

Der Gurnigelpass im Naturpark Gantrisch zwischen den Kantonen Bern und Freiburg ist eine Dark Sky Zone. Aufgrund seiner geringen Lichtverschmutzung gilt er als einer der dunkelsten Orte der Schweiz. Dieser Sternenpark – übrigens der erste seiner Art in der Schweiz – wurde 2024 geschaffen, um die natürliche Dunkelheit zu bewahren, die für die nächtliche Fauna, die menschliche Gesundheit und die Beobachtung des Sternenhimmels unerlässlich ist. Die Lichtverschmutzung nimmt jährlich um insgesamt 6 % zu und gilt als eine der grössten Bedrohungen für die Biodiversität.

Illustration einer Person, die in die Sterne schaut

 

Nachhaltige Beleuchtung in Düdingen

2025 startete die Gemeinde Düdingen in Zusammenarbeit mit Groupe E ein ehrgeiziges Projekt zur energetischen Sanierung ihrer öffentlichen Beleuchtung. Von den 945 Leuchten der Gemeinde waren 313 noch mit über 15 Jahre alten Natriumdampflampen ausgestattet. Letztere werden derzeit durch sparsamere, fernsteuerbare LED-Leuchten ersetzt, deren Licht Intensität bedarfsgerecht angepasst werden kann. Geplant ist auch eine Teilabschaltung der Beleuchtung in der Nacht.

«Strahlende» Städte

Mit dem Label «Energiestadt» werden Städte und Gemeinden ausgezeichnet, die im Rahmen ihrer Energie- und Klimapolitik vorbildliche Massnahmen entwickeln. Das erste Label erhielt die Stadt Schaffhausen 1991 von Bundesrat Adolf Ogi. Ende 2025 waren 484 Städte im Besitz dieser Auszeichnung.

Diese Anekdoten und die dazugehörigen Abbildungen stammen aus dem Geschäftsbericht 2025 und dem Nachhaltigkeitsbericht 2025.