Revitalisierung der Kleinen Saane

Die Biodiversität kann auch durch künstliche Hochwasser gefördert werden. Als Pionier in diesem Bereich hat Groupe E bereits früh kontrollierte Wasserablässe durchgeführt und 2025 ein Pilotprojekt zur Revitalisierung der Auenlandschaften der Kleinen Saane zwischen Rossens und La Tuffière gestartet. Erste Ergebnisse sind sehr positiv, und die Massnahme könnte auf weitere Flussabschnitte ausgeweitet werden. Wir sprechen darüber mit Bertrand Rey, Umweltingenieur und Leiter Umwelt DES.

Groupe E gehört zu den ersten Energieunternehmen, die künstliche Hochwasser erzeugen.

Der Nutzen von künstlichen Hochwassern 

Sehen wir uns den Flussverlauf an. Gibt es eine Staumauer, wird der gesamte Sedimenttransport, d. h. der Transport aller üblicherweise vom Fluss abgetragenen Feinsedimente (Sand) und Kies, gestoppt. Ohne seine natürlichen Materialien verarmt der Fluss nach und nach: sein Bett wird ausgespült, manche Bereiche trocknen aus … und ein Teil des Lebens, der davon abhängt, verschwindet. 

Durch die Staumauer und ihren Stausee verringert sich zudem die Häufigkeit und Intensität natürlicher Hochwasser, was die Flussdynamik einschränkt. «Seit dem Bau der Staumauer Rossens im Jahr 1948 sind 70 000 m3 Kies verloren gegangen; das entspricht dem Volumen von rund 30 olympischen Schwimmbecken», erläutert Bertrand Rey. «So wurde innerhalb von 70 Jahren das Flussbett ausgewaschen, geblieben ist ein Flussbett aus Molasse. Dies erkennt man im Abschnitt zwischen Rossens und La Tuffière, kurz oberhalb der Pont de la Tuffière, wo noch Kieselreste vorhanden sind. Das Gebiet der Kleinen Saane ist übrigens als Auengebiet von nationaler Bedeutung eingestuft.» 

Pionierarten
Eine Pionierart ist eine Art, die als Erste vegetationsfreie Stellen (kahler Boden, Kies, Fels, umgestaltete Böden) besiedelt.

Die Bedeutung von Auenterrassen
Diese Terrassen ziehen Pionierarten an und dienen Fauna und Flora, die sich auf eine dynamische Umgebung spezialisiert haben, als Rückzugsorte. Typische Auenarten sind die Gelbbauchunke und die Geburtshelferkröte. Diese Amphibien finden derzeit in Kiesgruben Unterschlupf. 

Auch die Vegetation an den Flussufern verändert sich. Pionierarten und Weichholzwälder (z. B. Weiden und Erlen), die regelmässig umgestaltete oder überflutete Lebensräume schätzen, stehen im Trockenen. Nach und nach werden sie durch Hartholzwälder, insbesondere Fichten, ersetzt.

Schematische Darstellung einer Schwemmlandzone

Unsere Massnahme: Wir öffnen die Schleusen!

Vor diesem Hintergrund hat Groupe E entschieden, nicht länger Zuschauerin zu bleiben. Sie zählt heute zu den ersten Energieunternehmen, die eine bis dato noch selten eingesetzte Lösung testen: künstliche Wasserablässe, die die natürliche Dynamik des Flusses revitalisieren und die Auenterrassen freilegen sollen.

Konkret bedeutet dies, dass Wasser kontrolliert abgelassen und eine erhebliche Menge an Kies (mehrere tausend Kubikmeter) ausgebracht wird. Auf diese Weise können die Sedimente remobilisiert, natürliche Bänke neu gebildet und wichtige Lebensräume für Fauna und Flora wiederhergestellt werden. 

Ein Kiesstrand unter Bäumen

Im Rahmen des Pilotprojekts sollen auch die von Humus bedeckten Auenterrassen und die Hartholzbäume freigelegt werden. Am Fusse der Staumauer Rossens gibt es derzeit nur eine einzige für Lastwagen zugängliche Stelle für Kiesschüttungen. «An unzugänglichen Stellen ergreifen wir Massnahmen an Auenterrassen, die durch die Vegetation stabilisiert wurden und deren Material für den Fluss nicht mehr verfügbar ist», so Bertrand Rey. «Die Vegetation im Uferbereich wird gerodet, Wurzeln werden entfernt und so das Material freigelegt, das sich unter der Humusschicht angesammelt hat. So kann der Fluss dieses Material bei Hochwasser abtransportieren und wieder günstige Bedingungen für Pionierarten schaffen.» 

Sichtbare Ergebnisse
Vor Ort sind die Auswirkungen bereits sichtbar. Bertrand Rey fährt fort: «Langsam kehrt die natürliche Dynamik zurück, der Fluss erholt sich und ausgetrocknete Nebenarme werden wieder Wasser führen.» Wo der Boden verarmt war, entstehen neue Kiesbänke. Auch Laichplätze für die typischen Fische der Saane (Forelle, Äsche) bilden sich wieder. «Für die Rückkehr der Weichholzarten ist es noch etwas früh, die Vegetation braucht mehr Zeit.» 

Intensive Zusammenarbeit

An der Saane gibt es viele Stellen, an denen solche Massnahmen umgesetzt und Synergien in Zusammenarbeit mit den Dienststellen des Kantons Freiburg und den NGOs generiert werden können. Ein Wasserablass mit Kiesausschüttung erfordert eine umfassende Organisation und ein gutes Risikomanagement innerhalb von Groupe E (Schiebermanagement, Information der Bevölkerung, Leitstelle) und extern (Polizei, kantonale Dienststellen und Gemeinden). Diese Massnahmen werden vom Bundesfonds für Investitionen in Wasserkraft subventioniert; dazu wird eine Gebühr in Höhe von 0.1 Rp pro KWh im nationalen Stromübertragungsnetz (Transit über das Netz) erhoben.

Bitte nehmen Sie Ihren Abfall mit!

Zum Abschluss wird eine gängige Meinung widerlegt: «Viele Menschen denken, dass Schalen, Brot oder Essensreste <natürlich> sind, aber sie können das Gleichgewicht des aquatischen Ökosystems stören und den darin lebenden Tieren schaden. Denken Sie also daran, nach einem Picknick oder einem Spaziergang am Flussufer all Ihre Abfälle mitzunehmen. Eine einfache, von vielen Menschen durchgeführte Einzelmassnahme kann sich positiv auf die Biodiversität der Flüsse auswirken.» 

Teil 2 lesen: 
Eine ganz besondere Blumenwiese 

Reihe «Nachhaltigkeit bei Groupe E – ganz konkret»
Diesen Sommer veröffentlichen wir eine Blog-Reihe, die unsere konkreten Nachhaltigkeitsinitiativen in den Fokus stellt. Die nächste Folge bietet ein Porträt von Muriel Maurer, unserer Sicherheitsverantwortlichen. Abonnieren Sie unseren Blog!
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