Sorgsamer Umgang mit Energie: wissenschaftliche Schlüssel zur Verhaltensänderung

Im Rahmen ihrer Strategie, die Energieeffizienz und den sorgsamen Umgang mit Energie zu fördern, organisierte Groupe E eine interne Informationsveranstaltung. Jonas Schneiter, Mitbegründer des Produktionsunternehmens «Our Frame», das auf die Messung der Wirkung von Medieninhalten spezialisiert ist, berichtete dort über die Erkenntnisse mehrerer sozialpsychologischer Studien, die sich mit den Hebeln der Verhaltensänderung zugunsten eines sorgsameren Umgangs mit Energie befasst hatten.

Wie können Bürgerinnen und Bürger zu einem sorgsameren Umgang mit Energie angehalten werden? Gemäss einer von Our Frame in Auftrag gegebenen Studie der Universität Genf erfordert eine nachhaltige Verhaltensänderung die gleichzeitige Kombination von vier Hebeln: Wir müssen die Verbraucherinnen und Verbraucher erziehen, sie in die Verantwortung nehmen, indem wir ihnen ein Gefühl der Macht vermitteln, sie einbinden, indem wir ein Gefühl der Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft schaffen, und sie mithilfe von Emotionen motivieren. «Setzt man diese vier Dinge gleichzeitig vor demselben Publikum um, funktioniert es und es kommt zu einer Verhaltensänderung hin zu einem umweltfreundlichen Verhalten», erklärt Jonas Schneiter. Ansätze, die sich nur auf einzelne Aspekte konzentrieren, erweisen sich hingegen als ineffizient oder sogar kontraproduktiv.

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Furcht, ein zweischneidiges Schwert

Muss man Furcht verbreiten, um Veränderungen herbeizuführen? Furcht kann zwar eine sofortige Handlung auslösen – wie etwa die Evakuierung eines Raums bei Alarm –, löst bei manchen Menschen aber auch Angst aus. Angesichts der inzwischen weit verbreiteten Klimaangst entwickeln Menschen Abwehrmechanismen, die sie lähmen oder dazu bringen, Gefahren zu leugnen.

Das Gefühl der Wirksamkeit, der Schlüssel zur Veränderung

Der wichtigste Faktor für Verhaltensänderungen ist das Gefühl der Wirksamkeit. Jonas Schneiter unterscheidet zwei Dimensionen: die Selbstwirksamkeit – «Bin ich in der Lage, diese Handlung auszuführen?» – und die Wirksamkeit der Reaktion – «Hat mein Handeln eine tatsächliche Wirkung?». Nur wenn eine Person beide Fragen positiv beantwortet, handelt sie auch.

Wenn es nicht gelingt, den Menschen zu beweisen, dass sie eine individuelle Wirkung auf das globale CO₂ ausüben können, dann darf man dieses Argument nicht für die Energiewende nutzen.

In diesem Fall ist das Argument des globalen CO₂ problematisch. «Es wird Ihnen nicht gelingen, zu beweisen, dass Sie eine individuelle Wirkung auf die Reduzierung der globalen CO₂-Emissionen ausüben können», betont Jonas Schneiter. Tatsächlich scheint der Beitrag der Schweiz zu den globalen Emissionen so gering zu sein, dass das Gefühl der Wirksamkeit der Reaktion verloren geht, auch wenn die systemischen Anstrengungen nach wie vor erforderlich sind.

Die Lösung? Nicht mehr mit dem Weltklima argumentieren, sondern stattdessen auf konkrete, unmittelbare Vorteile setzen: Energieautonomie des Landes, seine Resilienz gegenüber Krisen, finanzielle Einsparungen, Lebensqualität oder auch die Transformation unserer Wirtschaft. «Man muss das Wort ‹Klima› quasi aus der Kommunikation streichen, will man den Klimawandel wirklich vorantreiben», legt Jonas Schneiter nahe.

Er unterstreicht auch die Wichtigkeit der Grössenordnungen: Es gilt, Zahlen zu präsentieren, die dem Verständnis der jeweiligen Person entsprechen. Anstatt von Gigawatt oder Millionen Tonnen CO₂ zu sprechen, ist es besser, die monatlichen Kosteneinsparungen für den Strom oder den Autonomiegewinn für den Haushalt hervorzuheben.

Illustration d'un personnage éteignant une lumière


Einfache und egoistische Erfolge anstreben

Schliesslich rät Schneiter, sich auf «einfach zu greifende, egoistische Erfolge» zu konzentrieren: Marktlösungen, die das Leben der Menschen direkt verbessern, ohne Moralisierung. In dieser Übergangsphase, in der wir immer noch «sehr viel CO₂ ausstossen», sind diese ersten Erfolge in greifbarer Nähe und können einen grossen Einfluss ausüben.

Um eine nachhaltige Verhaltensänderung hin zum sparsamen Umgang mit Energie herbeizuführen, muss auf dogmatische Ansätze und sich auf Einzelaspekte konzentrierende Hebel verzichtet werden. Die Wirksamkeit beruht auf einer kombinierten Strategie, die gleichzeitig erzieht, befähigt, verpflichtet und motiviert und dabei der Einzelperson das Gefühl vermittelt, eine tatsächliche, messbare Wirkung zu erzielen. Jonas Schneiter ist überzeugt, dass wir die Energiewende wirklich beschleunigen können, wenn wir diese psychologischen Mechanismen verstehen und unsere Kommunikation anpassen.