Das Stromnetz der Zukunft: eine Geschichte, die heute schon beginnt

Wenn abends das Elektroauto geladen wird, an einem kalten Wintermorgen die Wärmepumpe anläuft oder an einem Sommertag die Solaranlagen in einem Quartier auf Hochtouren laufen, scheint alles wie von selbst zu gehen. Strom ist da – leise, verfügbar und zuverlässig.

Doch hinter diesem alltäglichen Geschehen verbirgt sich ein komplexeres System: das Stromnetz. Ein unauffälliges Netz aus Erd- und Freileitungen bildet das unsichtbare Gerüst unseres Alltags … und der Energiewende.

Ein Netz aus früheren Zeiten
Das Schweizer Stromnetz wurde grösstenteils zwischen 1945 und 1970 errichtet. Damals floss der Strom von den Kraftwerken zu den Verbraucherinnen und Verbrauchern. Die Stromflüsse waren bekannt und die Stromnutzung war relativ stabil.

Kabel, Leitungen und Transformatoren wurden auf Langlebigkeit ausgelegt: 40 bis 60 Jahre bei Transformatoren, bis zu 80 Jahre bei Kabeln. Paradoxerweise wurde das Netz, das wir heute nutzen, für eine Welt konzipiert, die es nicht mehr gibt, während die heute installierten Anlagen den Energiebedarf von 2050 oder sogar 2100 decken müssen.

Wenn sich die Spielregeln ändern
Dieses Netz steht derzeit vor einer umfassenden Transformation, da Strom zur treibenden Kraft der Energiewende wird. Immer häufiger wird auf Strom umgestellt: Mobilität wird über das Stromnetz sichergestellt, Heizen erfolgt zunehmend elektrisch und die Nachfrage steigt, vor allem in den Wintermonaten. Parallel dazu verändert sich auch die Produktion. Im Zuge des Ausbaus der Solarenergie wird Strom verstärkt lokal produziert und übersteigt den unmittelbaren Bedarf zuweilen bei weitem.

Diese beiden Entwicklungen – mehr zu transportierender Strom und eine stärker verbreitete, intermittierende Produktion – belasten das Netz weit über seinen ursprünglichen Zweck hinaus. Infrastrukturen werden zu bestimmten Zeiten lokal übermässig beansprucht, müssen jedoch weiterhin ihre Zuverlässigkeit unter Beweis stellen.
Die Frage lautet also nicht mehr, ob das Netz ausgebaut werden muss, sondern vielmehr wie es bereits heute angepasst werden kann, um der zunehmenden Elektrifizierung und der langfristigen Integration erneuerbarer Energien gerecht zu werden.

Langfristig denken, um nicht zu früh neu bauen zu müssen
Angesichts dieser Veränderungen darf sich die Netzplanung nicht mehr allein am unmittelbaren Bedarf orientieren. Die heute installierten Anlagen müssen über Jahrzehnte laufen. Bei mangelndem Weitblick besteht die Gefahr, dass noch junge Infrastrukturen zu früh verstärkt oder ersetzt werden müssen, was mit hohen Kosten verbunden ist.

Deshalb ist ein Ansatz, der sich auf Zielnetze konzentriert, unerlässlich. Er ermöglicht es, einen klaren Kurs zu bestimmen, verschiedene Entwicklungsszenarien zu testen und ihre Auswirkungen zu bewerten, bevor investiert wird. Diese Planung basiert auf der Analyse grosser Datenmengen und auf Simulationen, die notwendig sind, um das Netz anhand verschiedener Zukunftsszenarien auf den Prüfstand zu stellen, bevor Investitionsentscheidungen getroffen werden.

Foto eines elektrischen Stampfers auf der Wiese


Weniger Beton, mehr Intelligenz
Einen klaren Kurs zu bestimmen, heisst nicht, alles systematisch aufzurüsten. Gewisse Investitionen sind nach wie vor erforderlich, aber ein reiner Infrastrukturausbau würde rasch die Kosten in die Höhe treiben. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, das Netz intelligenter zu machen.

Die Steuerung der Spannung, das gezielte Management von Produktionsspitzen im Solarbereich – etwa durch die Steuerung grosser Parks – oder die Nutzung der Flexibilität von Elektrofahrzeugen und Wärmepumpen entlasten das Netz lokal und zum richtigen Zeitpunkt.

Diese Intelligenz ergänzt die bestehenden Infrastrukturen und hilft dabei, das richtige Gleichgewicht zwischen Erweiterung, Modernisierung und Erneuerung von teilweise in die Jahre gekommenen Anlagen zu finden.

Das Netz der Zukunft wird bereits heute errichtet. Bei Groupe E arbeiten wir jeden Tag daran, ein zuverlässigeres, zukunftsfähiges Netz im Dienste der Energiewende zu schaffen.