Eine STWEG entscheidet sich für Fernwärme: die Entstehung eines Anschlusses

In Vevey hat sich eine Stockwerkeigentümergemeinschaft (STWEG) ans Fernwärmenetz angeschlossen. Guillaume Girard, Miteigentümer und Mitarbeiter von Groupe E, erklärt die Gründe für diese Entscheidung, den Ablauf und den Nutzen im Alltag.

Portrait de Guillaume Girard

Guillaume Girard, Verantwortlicher der Abteilung HLK‑Wartung bei Groupe E

In diesem Gebäude aus dem Jahr 2005, bestehend aus neun Einheiten – davon acht Wohnungen mit Bodenheizung –, kam die Gasheizung an ihr Lebensende: wiederholte Pannen, sinkender Wirkungsgrad und schwer kalkulierbare Kosten. Die Eigentümerschaft musste deshalb das System ersetzen und nutzte die Gelegenheit, um die Kosten zu stabilisieren, den CO₂‑Ausstoss zu reduzieren und den Immobilienwert zu steigern.

Welches neue Heizsystem wählen?

Zur Erleichterung der Entscheidung verglich Guillaume die Gesamtkosten (Investitionen und Betriebskosten) von drei Optionen über zwanzig und vierzig Jahre: 

  • Ersatz der bestehenden Gasheizung durch ein identisches Modell
  • Anschluss an Fernwärme (FW) mit einem klassischen Boiler
  • Anschluss an Fernwärme mit einem thermodynamischen Boiler 

Eine Wärmepumpe kam nicht in Frage: Im Stadtzentrum und mit wenigen verfügbaren Standorten war die Umsetzung zu aufwendig. Auch die Pelletheizung wurde verworfen – fehlender Lagerplatz und logistische Herausforderungen. Die Studie wurde der Liegenschaftsverwaltung vorgelegt und anschliessend an einer ausserordentlichen Eigentümerversammlung präsentiert; die STWEG entschied sich für das Fernwärmenetz von Vevey.

Warum die Fernwärme von Vevey?

Der Entscheid stützte sich zunächst auf die langfristigen Gesamtkosten: Ein Fernwärmenetz ist auf etwa vierzig Jahre ausgelegt, während eine Gasheizung durchschnittlich nach rund zwanzig Jahren ersetzt werden muss. Man vermeidet somit einen zweiten Investitionszyklus im betrachteten Zeitraum. 

Der Vergleich „Alles inklusive“ (Investition und Kosten) zeigte bereits einen Vorteil von rund 7 % zugunsten der Fernwärme, bei identischen Annahmen. «Die kommunalen und kantonalen Förderbeiträge haben zudem die Investition um rund 20 % reduziert, was unsere Entscheidung weiter bestärkte», erklärt Guillaume. 

Pastille de 7% avantage économique DE

Neben diesem wirtschaftlichen Vorteil schätzte die STWEG auch die einfache Bedienung (eine kompakte Unterstation und für das Warmwasser ein klassischer Boiler, ohne Installationen auf dem Dach oder an der Fassade) sowie die erwartete Senkung der CO₂-Emissionen: ein Ziel von ca. 5 bis 6 kg CO₂ pro Quadratmeter und Jahr, gegenüber rund 19 kg zuvor. Letztendlich entschied man sich für einen klassischen Boiler mit Anschluss ans Fernwärmenetz: Dieser vermeidet die Komplexität und die zwei- bis dreimal höheren Kosten eines thermodynamischen Boilers, dessen Nutzen von der STWEG als zu ungewiss eingeschätzt wurde.

Wie verlief der Anschluss?

Wie üblich bei einem Fernwärmenetz übernahm der Betreiber (Groupe E) den Primärkreis, also den Teil des Netzes ausserhalb des Gebäudes – von der Heizzentrale bis zu den Ventilen der Unterstation. Die STWEG war für den Sekundärkreis zuständig, d. h. für die Installationen innerhalb des Gebäudes. Um Koordinationsaufwand zu vermeiden und die Umsetzung zu beschleunigen, führte derselbe Installateur sämtliche Arbeiten auf Gebäudeseite aus. Der Anschluss erfolgte Anfang Dezember 2025 innerhalb einer Woche. Übergangslösungen für die Heizung wären möglich gewesen, wurden hier jedoch aufgrund der Wetterlage und der Gebäudeträgheit, welche die Wärme eine gewisse Zeit lang speichert, bewusst weggelassen. Die Warmwasserbereitung wurde während der Arbeiten durch eine elektrische Zusatzlösung gewährleistet. 

Planbare Kosten und ein zuverlässiges Netz

Im Alltag ist die Veränderung sichtbar und hörbar. «Der Technikraum ist geräuscharm und unsere Kosten sind besser kalkulierbar, da wir weniger von den schwankenden Gaspreisen abhängig sind», betont Guillaume. Das Netz wird fernüberwacht; im Störungsfall ermöglicht die Vorabdiagnose eine rasche Entscheidung über einen Eingriff. Die STWEG hat zudem einen jährlichen Wartungsvertrag für den Innenbereich vereinbart, der eine Inspektion vor dem Winter und die erforderlichen Kontrollen umfasst, um einen reibungslosen Heizbetrieb sicherzustellen. 

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