Sicherheitsverantwortliche, ein Beruf, der tagtäglich für Schutz sorgt
Sicherheit und Unfallprävention sind ein zentrales Element der sozialen Verantwortung von Groupe E. 2025 führten wir 376 Sicherheitsaudits durch, die in 700 Verbesserungsmassnahmen mündeten. Ein Porträt von Muriel Maurer, Sicherheitsverantwortliche.
Als Kind träumte sie nicht davon, Helm und orange Weste zu tragen. Dennoch übt Muriel Maurer ihren Beruf bei Groupe E seit sechs Jahren mit viel Freude und guter Laune aus. «Zuvor war ich im kaufmännischen Bereich tätig und nutzte die Gelegenheit, die von der SUVA angebotene Ausbildung zur Sicherheitsverantwortlichen zu absolvieren. Der ständige Umgang mit Menschen verleiht diesem Beruf einen besonderen Sinn», erläutert sie.
Kein Tag ist wie der andere, das Aufgabenspektrum ist vielfältig: Berichte, Schulungen, Präsenz vor Ort, Beratung und dabei stets Unvorhergesehenes einplanen. Das Team Sicherheit, Qualität und Umwelt von Groupe E AG besteht aus sechs Expertinnen und Experten und wird von rund 20 Sicherheitsbeauftragten unterstützt. Bei Groupe E AG ist Sicherheit fester Bestandteil der Unternehmenskultur. Sie ist nicht nur eine gesetzliche, sondern vor allem auch eine moralische Verpflichtung. Arbeitgebende müssen den entsprechenden Rahmen schaffen und die Werkzeuge bereitstellen, die ein sicheres Arbeiten ermöglichen, während Arbeitnehmende verpflichtet sind, sich entsprechend auszurüsten und die Regeln einzuhalten. «Alle Mitarbeitenden haben ihre spezielle Funktion im Unternehmen. Eine unfallbedingte Abwesenheit ist nicht nur unangenehm für die betroffene Person, sondern auch für ihre Kolleginnen und Kollegen. Eine unvorhergesehene Abwesenheit bringt die gesamte Planung durcheinander. Zudem ist sie natürlich auch mit Kosten verbunden», so Muriel.
Vor Ort im Einsatz
Jährlich werden über 370 Sicherheitsaudits durchgeführt, die in über 700 Verbesserungsmassnahmen münden. Muriel erklärt den Ablauf: «Mithilfe eines Analyserasters vergewissern wir uns, dass alle Sicherheitsmassnahmen getroffen wurden, bevor wir mit einer Tätigkeit beginnen. Ich tausche mich intensiv mit den Kolleginnen und Kollegen aus, da ich ihren Aufgabenbereich verstehen muss. Wir reden viel über Theorie, doch bei ihnen geht es um die Praxis. Beides soll bestmöglich in Einklang gebracht werden, damit alle gesund bleiben. Die einzige Frage, die ich mir am Ende des Audits stelle, lautet: ‹Kann ich die Baustelle guten Gewissens verlassen?›»
Eine Analyse der Berufsunfälle zeigt, dass sie in 53% der Fälle auf mangelhafte Planung und in 13% auf die Missachtung von Regeln zurückzuführen sind. Jedes Audit wird an die verantwortliche Person weitergeleitet, der die Umsetzung der Korrekturmassnahme obliegt. Die SUVA selbst führt ebenfalls unangekündigte oder angekündigte Inspektionen von Arbeitsplätzen und PSA durch und überprüft dabei auch, ob die lebenswichtigen Regeln eingehalten werden. «Wir halten unsere Richtlinien und Praktiken auf dem neusten Stand, um sicherzustellen, dass sie den gesetzlichen Anforderungen entsprechen. Wir bilden das Bindeglied zwischen den Teams vor Ort und den Vorgesetzten. Zudem absolvieren wir Befähigungsschulungen und Weiterbildungen», berichtet Muriel.
Sicherheit ist ein Gemeinschaftsprojekt.
Ein Gespür für Sicherheit entwickeln
Ein guter Indikator dafür, wie viel Wert auf Sicherheit gelegt wird, ist die Ordnung oder Unordnung auf der Baustelle. «Man entwickelt ein Gespür dafür, ob auf Sicherheitsaspekte geachtet wird. Am allgemeinen Verhalten erkennt man schnell, ob das Thema Sicherheit ernst genommen wird. Sehr auffällig ist es, wenn mehrere Personen grosse Sicherheitslücken übersehen – ohne mit der Wimper zu zucken. Sie haben einen Tunnelblick oder sind so in ihre Arbeit vertieft, dass sie ein Loch nicht sehen», erzählt Muriel.
Die Erfahrung zeigt, dass kollektive Absturzsicherungen, die Anwesende auf Baustellen schützen, oft nicht regelkonform sind. In diesem Fall lassen sich Korrekturmassnahmen meist leicht umsetzen. Anschliessend werden die persönlichen Schutzausrüstungen (PSA) geprüft: Schuhe, Helm, Handschuhe, Gurt und Gehörschutz. Alle dienen dem Schutz von Gesundheit und persönlicher Integrität.
Zwei Minuten, die alles verändern
Die Bedingungen auf der Baustelle ändern sich mit den Jahreszeiten. Extreme Hitze, klirrende Kälte, Wind, Regen, … Jede Jahreszeit bringt Herausforderungen mit sich. Die Einhaltung von Sicherheitsvorgaben muss denselben Stellenwert haben wie die Einhaltung von Fristen und Budgets. Das allgemeine Betriebsklima hat unmittelbaren Einfluss auf das Mass an Sicherheit. Vor jeder Tätigkeit muss man sich zwei Minuten Zeit nehmen, um sich folgende Frage zu stellen: «Ist alles gegeben, damit ich sicher arbeiten kann?»
Verantwortlich für den Überblick
Die Umsetzung von Sicherheitsmassnahmen ist gelegentlich aufwendig und kostspielig. «Wir konzentrieren uns auf Fristen und die korrekte Ausführung der Baustelle», fährt Muriel fort. «Ein Gesamtüberblick über die Baustelle ist erforderlich; an alles muss gedacht werden! Meine Funktion ermöglicht mir einen gewissen Abstand und einen Gesamtüberblick. Einen klassischen Fehler begeht, wer sich sagt: ‹Das haben wir schon immer so gemacht› oder ‹Das bringe ich schnell noch zu Ende›. Hier muss ich zuweilen intervenieren.» Sicherheit beginnt bei einem selbst – mit der Aufmerksamkeit, die man der eigenen Tätigkeit und dem Geschehen rundherum schenkt. Zudem ist Muriel Achtsamkeit wichtig: «Wer achtsam agiert, hat einen Blick dafür, ob Kolleginnen und Kollegen die Regeln einhalten, und greift bei Bedarf korrigierend ein.»
Die Muriel-Methode
Um die richtigen Verhaltensweisen im Alltag zu vermitteln, setzt Muriel auf Wiederholungen. Sie fordert ihre Kolleginnen und Kollegen heraus. Auch monatliche Sicherheitskampagnen sind ein gutes Instrument. Muriel ist sich bewusst, dass sie als diejenige wahrgenommen werden kann, die von der Arbeit abhält. «Das gehört zum Beruf. Es ist nicht besonders angenehm, aber meist führen Gespräche zu Win-Win-Lösungen, und am Ende lernen alle dazu. Unser Ziel ist es auch, den Bedürfnissen der Kundinnen und Kunden gerecht zu werden. Letztendlich gilt es, auch diese zu ‹erziehen›.»
Und was hilft noch? «Humor! Ich versuche immer, die Stimmung zu lockern. Ich will, dass die Kolleginnen und Kollegen heil nach Hause kommen und die Kundinnen und Kunden zufrieden sind. Frust entsteht, wenn nicht verstanden wird, weshalb Sicherheitsvorgaben eingehalten werden müssen. Es ist unsere Aufgabe, zu wiederholen, zu erklären, worum es geht, und nicht nur den Aufpasser zu spielen. Besonders freue ich mich, wenn sich die vor Ort tätigen Teams selbst an uns wenden. So können wir reagieren, eine Lösung anbieten und vor allem dafür sorgen, dass alle am Abend gesund nach Hause kommen.»
Reihe «Nachhaltigkeit bei Groupe E – ganz konkret»
Diesen Sommer veröffentlichen wir eine Blog-Reihe, die unsere konkreten Nachhaltigkeitsinitiativen beleuchtet.
In der nächsten Episode geht es um den langfristigen Aufbau einer echten Weiterbildungskultur. Raphael Dubey, Leiter Weiterbildung, MA-Entwicklung & Lehre, wird uns mehr darüber erzählen. Abonnieren Sie!
Anmeldung zur Blog-Reihe Nachhaltigkeit